From the magazine Pflegerecht 2/2018 | S. 99-100 The following page is 99

Urteilsfähigkeit

Urteilsfähigkeit: Aufgeregtheit und Schwäche, vermeintliche und tatsächliche Autonomie

Würde man auf der Strasse danach fragen, was sich mit der Materie wenig Vertraute unter «Urteilsfähigkeit» vorstellen, kämen wohl allenfalls Bedenken wegen der Fahrtüchtigkeit nach Alkoholgenuss und ähnliche Defizite zur Sprache. Dass Urteilsfähigkeit das Kriterium ist, um unser Handeln in jedweder Situation als rechtlich verbindlich zu qualifizieren, dürfte eher weniger bewusst sein; populärer ist die «Volljährigkeitsschwelle» (Art. 14 ZGB; mittlerweile und momentan noch das vollendete 18. Altersjahr), die zwar nominell präzise, im Ergebnis aber auch diffus ist. Wer sich als Studentin oder Schüler an den Stichtag zurückerinnert, wird unschwer feststellen, dass das «tatsächliche Element» umfassender Handlungsfähigkeit als Konsumentin oder Konsument im Alltag – nämlich neben der rechtlichen auch die wirtschaftliche Autonomie – nicht über Nacht entstanden ist, sondern der Kassenstand…

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