From the magazine Pflegerecht 2/2020 | p. 86-96 The following page is 86

Das Abhängigkeitsverhältnis im Sinne des Sexualstrafrechts in der Pflege

Notwendigkeit eines erweiterten Anwendungsbereichs von Art. 193 StGB am Beispiel der Hauspflege

I. Einleitung

Institutionen des Gesundheitswesens und Gesundheitsfachpersonen sollen das gemeinsame Ziel verfolgen, die Gesundheit und die Lebensqualität von Patienten zu erhalten und zu verbessern. Notwendigerweise vollziehen Ärzte, Therapeuten und Pflegende dabei Handlungen am Körper und im Bereich der Privat- und Intimsphäre der Patienten.1 Bedingt durch ihre Hilfsbedürftigkeit sind die Patienten auf die medizinischen und pflegerischen Handlungen angewiesen. Sie begeben sich unfreiwillig in ein Abhängigkeitsverhältnis, was sie besonders vulnerabel macht.2 Dies begründet eine erhöhte Schutzwürdigkeit dieser Personen.3

Es soll der Anspruch des Strafrechts sein, den Schutz der betroffenen Rechtsgüter, insbesondere der sexuellen Selbstbestimmung, zu gewährleisten. Mit Art. 192 StGB schafft der Gesetzgeber einen Straftatbestand, der einen unmittelbaren Bezug zum Gesundheitswesen aufweist, indem er Anstaltspfleglinge als mögliche Opfer nennt. Anstaltspfleglinge sind Personen,…

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